Satzung

Gesundheitskonferenz 2011

1. Gesundheitskonferenz der Heilberufe

Patient Gesundheitsland Schleswig-Holstein: Wann kommt der Rettungsschirm?

Kiel, 21. September 2011 – Die Interessengemeinschaft der Heilberufe in Schleswig-Holstein (IDH) sieht die flächendeckende und wohnortnahe Patientenversorgung in Gefahr. Grund dafür ist der zunehmende Fachkräftemangel im Land. Das machten die Präsidenten und Vorstände der Heilberufskammern und -verbände auf der 1. Gesundheitskonferenz der IDH deutlich.

 
Dr. Ingeborg Kreuz (KVSH) und
Minister Dr. Heiner Garg
 
 
Dr. Peter Froese (Apothekerverband) und
Dr. Ingeborg Kreuz
 
 
Juliane Dürkop (Psychotherapeutenkammer) und
Dr. K. Ulrich Rubehn (Zahnärztekammer)
 

Gemeinsam mit Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg und den gesundheitspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen diskutierten die IDH-Mitglieder über die aktuelle Versorgungssituation in Schleswig-Holstein. Das größte Problem besteht nach Ansicht der IDH darin, dass einerseits die Bevölkerung immer älter wird und damit die altersbedingten Erkrankungen zunehmen, anderseits es immer weniger Ärzte gibt, die diese Menschen behandeln können. Laut Statistikamt Nord wird die Zahl der Einwohner in Schleswig-Holstein, die 60 Jahre und älter sind, von derzeit rund 750.000 auf knapp eine Million im Jahr 2025 steigen.

Gleichzeitig steht dem ambulanten Bereich eine enorme Ruhestandswelle bevor. Rund 30 Prozent der Hausärzte in Schleswig-Holstein sind über 60, in den nächsten Jahren werden rund 900 Hausärzte in den Ruhestand gehen und Nachwuchs in der selben Größenordnung ist nicht Sicht.

Dem Ärztemangel wird möglicherweise ein Apothekermangel folgen. Freie Apothekerstellen können schon jetzt nicht oder nicht optimal besetzt werden. Auch hier gibt es ein Nachwuchsproblem, das vor allem damit zu tun hat, dass sich die Ertragslage der Apotheken weiter verschlechtert. Dies gefährdet immer mehr die ortsnahe Arzneimittelversorgung in der Fläche.

Zu den Herausforderungen in der Gesundheitspolitik gehört außerdem die zunehmende Feminisierung der Heilberufe. Beispielsweise erwarten Zahnärzte, dass Zahnärztinnen wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf künftig sich eher in einer Praxis anstellen lassen oder in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten werden - statt in einer Einzelpraxis. Dies könnte zu Konzentrationsprozessen und damit zu einem Rückgang der Zahnarztpraxen auf dem Land führen, was wiederum weite Anfahrtswege zur nächsten Praxis zur Folge hätte.

Die Psychotherapeuten kritisieren vor allem die aktuelle Bedarfsplanung, die eine angemessene psychotherapeutische Versorgung verhindert. Danach herrscht auf dem Papier eine Überversorgung, während überlange Wartezeiten längst Realität sind. Das Angebot an Psychotherapieplätzen muss auf den tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden, um so mehr, da der Anteil der Menschen mit psychischen Erkrankungen stetig zunimmt.

Mit Blick auf die skizzierten Herausforderungen wird es unumgänglich sein, die Frage aufzuwerfen, wie mit begrenzten Ressourcen - finanziell und personell - auch künftig eine ausreichende Versorgung sichergestellt werden kann. Nicht alles Wünschenswerte wird realisierbar sein. Vielmehr wäre es schon ein Erfolg, wenn zumindest die Versorgung in der Fläche erhalten werden kann. Die Heilberufe in Schleswig-Holstein bieten der Politik an, gemeinsam an neuen und tragfähigen Konzepten für die künftige Versorgung zu arbeiten. Minister Dr. Garg begrüßt das gemeinsame Engagement der Heilberufe. Dies könne sehr gut zu den laufenden Aktivitäten auf Landesebene zur dauerhaften Sicherstellung der Gesundheitsversorgungen beitragen. Nur gemeinsam könne man der Herausforderung erfolgreich begegnen.

 
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